Das Avers, zu dem mit Juf das höchstgelegene Dorf der Schweiz gehört,
hat den Wintersportlern etwas zu bieten

von Peter Hummel
Tages-Anzeiger, 20. Februar 2007

Fast ganz oben in Juf, in solitärer Lage auf 2030 Metern, zwischen Juppa und Podestatenhaus, genau an der Stelle, wo sich der sonst eingeengte Blick bis zuhinterst ins Seitental Val Bergalga weitet und die Nachmittagssonne am längsten scheint, genau da liegt das Hotel Bergalga.

So abgelegen die Unterkunft, so gut ist sie mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen (ein Auto braucht man hier sowieso nicht): Das Postauto hält vor dem Hotel. Der Frühkurs bringt auch das frische Brot aus Andeer. Alpina heisst die Haltestelle, wie das Hotel, als es 1981 eröffnet wurde. Nach einem Konkurs wurde es 2004 von der Genossenschaft Bergalga übernommen. Noch fehlen die Mittel für umfassende Renovationen. Dafür ist die Bergherberge mit tollen Familienzimmern und einem Ponylift vor dem Haus sehr kinderfreundlich. Und der frische Hausgeist der idealistischen vierköpfigen Betriebsgruppe zieht immer mehr Gäste und Genossenschafter an.
Kulturelle und andere Leckerbissen

Insbesondere die Küche hat sich weitherum einen Namen gemacht. Sie hält es wie das Wetter hier: vom Norden geprägt, vom Süden inspiriert. Oder wie es Initiant Kurt von Arb ausdrückt: «Wir pflegen eine möglichst regionale, landwirtliche Küche, aber wir mögen auch das Fremdgehen über die Berge.» Das hat schliesslich Tradition: Mangels richtiger Talverbindungen wurde bis vor gut 100 Jahren der ganze Warenverkehr südwärts über die Pässe abgewickelt. Selbst gebackenes Brot aus einheimischem Mehl, Bioprodukte und Vegi-Gerichte sind jedenfalls weit über dem zu erwartenden Standard in dieser Höhenlage. Ebenso wie die reiche Palette an monatlichen kulturellen Leckerbissen, die alleine schon die Reise lohnen, von Lesungen und Fotoausstellungen bis zu Konzerten und Filmvorführungen. Dank seinen langjährigen Beziehungen brachte von Arb schon Satiriker Wiglaf Droste oder Kult-Jazzerin Shirley Hofmann auf die hoch gelegene Bühne. Als Nächstes steht am 24. Februar eine Lesung mit Florence Hervé auf dem Programm, die von Priska Walss auf Alphom und Posaune begleitet wird, und am 21. April ein Konzert mit Züri Ost.

Auch wenn das Avers nicht gerade als renommiertes Skigebiet gilt, so überrascht doch das vielfältige Angebot. Von der Haustüre weg führen Verbindungspisten zu den beiden Skiliften, neben dem Hotel führt auch die Loipe vorbei, Langläufer finden ein anspruchsvolles, gut präpariertes, rund 20 Kilometer langes Netz.

Am bekanntesten ist das Avers bei den klassischen Tourenläufern. In jüngster Zeit tauchen aber auch immer öfter «neue Wilde» auf: Eisfallkletterer, denen die schattigen Schluchten am Averser Rhein ein ideales Spielfeld bieten.

Nach einem aktiven Wintertag mag einem im Bergalga eine Sauna fehlen. Die muss warten bis zu einem Um- oder Anbau, zu dem sich immerhin schon reputierte Architekten Gedanken gemacht haben. Ein Après-Ski-Programm wird hingegen kaum vermissen, wer ins Avers kommt. Mit dem Abstellen der Skilifte um 16 Uhr hat hier das öffentliche Leben Feierabend. Immerhin bietet sich ein paar Steinwürfe vom Hotel ein exklusives Nightlife-Vergnügen an. Wer vor oder nach dem Nachtessen noch Lust hat, kann bei der liebevoll präparierten, mit rohen Brettern begrenzten Natureisbahn den Lichtstecker einstöpseln und ganz privat seine Pirouetten drehen.

Das Avers ist ab Zürich in 3 Std. zu erreichen , 6-7 Verbindungen täglich,
schlanke Anschlüsse in Chur und Thusis (Postauto).